Geschichte

Geschichte des Pinsels weltweit

Höhlenmalereien in Nordspanien oder Südfrankreich belegen, dass bereits vor mehr als zehntausend Jahren Menschen damit begannen, ihr Heim zu verschönern oder Erinnerungen und Gefahren in Bildern festzuhalten. Die damals verwendeten Pinsel bestanden aus Röhrenknochen, in die Tierhaare eingesetzt wurden. Erstaunlich sind dabei die bereits damals gefertigten unterschiedlichen Formen und Stärken der gefundenen Pinsel.

Bis vor 3500 Jahren wurden in Ägypten sowohl Pinsel aus Papyrusfasern als auch aus Borsten und Haaren verwendet. Mit solchen Pinseln wurden unter anderem auch die Hieroglyphen gezeichnet. Auf der anderen Seite des Mittelmeeres verwendeten die alten Griechen und Römer ebenfalls Pinsel, jedoch vorwiegend um Gegenstände zu verzieren. Diesen Pinseln gegenüber bestanden die von den Germanen verwendeten – eher rudimentären – Pinsel aus zerfaserten und zusammengebundenen Holzstäbchen.

In China wurden bis 200 v.Chr. Bambuskiele als Schreibwerkzeug verwendet, das änderte sich mit der Entwicklung der ersten Haarpinsel. Durch die flexible Spitze der Pinsel konnte man unterschiedliche starke Stiche und Linien erzielen. Wohl auch deshalb gestaltete man die chinesische Schrift daraufhin neu.

Im neunten Jahrhundert begann man, neben Ziergegenständen wie Vasen, ganze Häuser innen und außen zu streichen. Man vermutet jedoch, dass die damals zum Einsatz gekommenen Gerätschaften eher an einen Besen erinnerten als an heutige für diesen Zweck verwendete Werkzeuge.

Eine umfangreiche Weiterentwicklung hat der Pinsel dann ab Beginn des zehnten Jahrhunderts erfahren. Neben der Verbesserung des Pinsels durch die Verwendung eines Stiels sowie Dachshaaren als Besatz und Fäden als Bindung, entstanden die ersten Grundier- und Konturierpinsel. Bei deren Herstellung beschränkte man sich nicht mehr auf die Knochen von an Land lebenden Tieren, stattdessen verarbeitete man auch Federkiele unterschiedlicher Vögel. Auch die verwendeten Besätze vervielfältigten sich zu dieser Zeit.

Neben der Verwendung der Haare von Nutztieren wie dem Schwein, dem Pferd oder der Ziege wurden auch die Haare von kleineren Tieren wie Eichhörnchen, Otter oder Dachs gesammelt und verarbeitet. Durch die wachsende Vielfalt der Pinsel wurde bereits im 18. Jahrhundert zwischen Haar- und Borstenpinseln, unterschiedlichen Größen und Spezialpinseln unterschieden.

Diese Pinsel wurden bis ins 19. Jahrhundert verwendet. Durch die Industrialisierung entstanden für unterschiedliche Anwendungen entsprechende Pinsel, die sich beispielsweise besonders zum Lackieren oder für Malereien mit Öl oder Acryl eigneten. Zu dieser Zeit entwickelte man außerdem weitere Spezialpinsel, die unter anderem für Vergoldungen verwendet wurden.

Heutzutage werden neben den natürlichen Rohstoffen wie Tierhaar und Borste auch Kunstfaser oder ein Mix aus Kunst- und Naturfaser verwendet. Dies ist den wachsenden Anforderungen durch unterschiedliche Anwendungen sowie der schwindenden Verfügbarkeit von Naturborsten geschuldet.

Geschichte des Pinsels in Deutschland

Mitte des 18. Jahrhunderts war es üblich, dass sich Maler und Künstler ihre benötigten Pinsel selbst herstellten. Dies konnte zu der damaligen Zeit durchaus ein aufwändiger und zeitintensiver Prozess sein.

1789 siedelte der Schreinermeister Johann Caspar Bühler in Bechhofen. Er verkaufte als einer der Ersten die gefertigten Pinsel an andere Maler und Künstler, dadurch begründete er das Handwerk des Pinselmachers.

Damals sammelte man die benötigten Haare oder Borsten zunächst und sortierte diese von Hand. Anschließend säuberte und kochte sie (üblicherweise) der Bäcker. Danach band er sie zu Bündeln zusammen trocknete sie im Ofen, wodurch sie ihre natürliche Sichelform nach und nach verloren und grade „gerichtet“ wurden.

Durch die heutigen vielfältigen Anwendungsbereiche vergrößerte sich auch die Auswahl unterschiedlicher Pinsel und Bürsten. In den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten haben die Pinsel eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz bekommen: Farbroller und Spritzgeräte. Farbroller sind durch ihre einfache Anwendung und Eignung für große Flächen eine Arbeitserleichterung und werden sowohl von Profis und Laien verwendet. Airlessgeräte werden hauptsächlich im Profihandwerk eingesetzt.

Nichtsdestotrotz ist der Pinsel als Malerwerkzeug unersetzbar, denn er gelangt auch an schwierige Stellen und ermöglicht einen präzisen Farbauftrag. Außerdem ist er unterschiedlichen chemischen Anforderungen gewachsen, beispielsweise den unterschiedlichen Basen von Streichmedien. Neben dem Malerhandwerk hat der Pinsel im Laufe der Zeit seinen Weg in die industriellen Betriebe gefunden und ist dort zu einem wichtigen und nicht zu ersetzendem Rüstzeug geworden.

Ausschnitte aus unserem Katalog von 1928